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Leichtathletik:

Ilke Wyluddas Rückkehr in den Diskusring



Wenn die Viertplatzierte einer deutschen Meisterschaft umlagert wird wie ein Medienstar, alle Kameras und Mikrofone auf sie gerichtet sind, und sie danach Interview um Interview gibt, dann muss da etwas Besonderes sein. Wenn sich eine Vielzahl von Leichtathletik-Wurftrainern diesen Wettkampf ansieht und die Konkurrentinnen, einschließlich der für die Paralympics 2012 zum Zuschauen gezwungenen weltbesten Diskuswerferin Marianne Buggenhagen, zu Statisten werden, dann muss da etwas Besonderes sein.


Ilke Wyludda ist etwas Besonderes im Behindertensport. Sie war 1996 in Atlanta Olympiasiegerin im Diskuswurf der Frauen, mit 69,66m. Ihre Bestleistung mit dem 1-kg-Diskus steht offiziell bei 74,56m – nur eine Frau auf der Welt warf je weiter als sie: ihre ehemalige Nationalmannschaftskollegin Gabi Reinsch bei deren Weltrekord von 76,80m.

2001 beendet Ilke Wyludda ihre Karriere, nach einer langen Odyssee von Verletzungen und Operationen. Im Dezember 2010 dann die Amputation von Unterschen-kel und Kniegelenk nach einem bakteriellen Infekt. Und nun die Rückkehr genau in den Ring, aus dem sie früher mit der für sie typischen Hacke-Ballen-Drehung mehrfach über 70m warf. Jetzt allerdings auf einem Spezial-Wurfhocker sitzend, arretiert an einer Spezialplatte, die in dem Wurfring befestigt ist.

Der Diskuswettbewerb bei den Deutschen Winterwurfmeisterschaften in Halle an der Saale war für Ilke Wyludda ihr erster Wettkampf in Deutschland. Sie war zwar bereits Ende 2011 in Dubai an den Start gegangen, aber nur, um erste Erfahrungen zu sammeln, und sich in die internationale Startklasse F58 klassifizieren zu lassen.

Ihr Ergebnis von 25,54m ist nach einer extrem kurzen Trainingszeit respektabel und eine deutliche Steigerung zu den ersten Versuchen vor einigen Monaten. Wurfgefühl hat sie natürlich noch immer, aber zum Werfen ohne Beineinsatz („Früher hat der Trainer immer gesagt, ich werfe ohne Beine. Jetzt werfe ich ohne Beine, aber das Gleiche ist es trotzdem nicht“) kommt nun auch noch das Fehlen jeglicher Hüftspannung hinzu. Und natürlich die lange 10-jährige Trainingsabstinenz.

Um ihr Ergebnis einzuordnen, hier einige Zahlen: In dieser Startklasse F58, einer von insgesamt acht aus dem Sitzen werfenden Startklassen im Handicapsport (wobei die hintere „8“ anzeigt, dass dies die Klasse mit der geringsten Behinderung ist), liegt der Weltrekord bei den Frauen bei 40,99m, gehalten von Nassima Saifi aus Algerien. Die Weite der Weltranglisten-Zweiten liegt bei knapp 40m. Bei den Paralympics werden die Startklasse F57 und F58 zusammengelegt, also muss man auch das Leistungsniveau der Klasse F57 berücksichtigen, in der in der Spitze 32m geworfen wird, und bei der die Athletinnen mit einem deutlichen Punktvorteil an den Start gehen. Realistisch gesehen müsste Ilke Wyludda sicher um die 40m werfen, um eine Medaillenchance zu haben.

Ilke Wyludda hat daher eher langfristige Ziele vor Augen: erstmalig überhaupt könn-te es gelingen, zuerst Olympiasieg und dann Paralympicssieg zu feiern. Vielleicht in Rio de Janeiro 2016? Vielleicht aber auch als stehende Werferin mit Prothese? Hier liegt der Weltrekord bei 33,19m. Momentan steht aber London vor der Tür, und schon die Qualifikation hierfür wird kein einfacher Weg.

Daher sagt Ilke Wyludda auch, sie will „schön weit werfen", ohne Druck und ohne übersteigerte Erwartungshaltungen, die teilweise massiv von außen auf sie einströmen. (Dr. Ralf Otto)

     
 
















 

 

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